Band 2: Das Kloster Marienvrede

Nach den Wegekreuzen jetzt das Kloster: Bernhard Großbölting und Sven Joosten vom Heimatverein Dingden legen den zweiten Band der Dingdener Schriftenreihe vor. Der Anlass, sich dem Kloster Marienvrede zu widmen, ist aktuell. Vor 200 Jahren tritt der Reichsdeputationshauptschluss in Kraft. Alle geistlichen Besitztümer wurden dem Staat zugeschlagen, "die größte entschädigungslose Enteignung" nennt es Großbölting. "Vom Krummstab zum Adler" heißt eine Veranstaltungsreihe, die dazu n Nordrhein-Westfalen - besonders im westfälischen Teil - ins Leben gerufen wurde. Die NRW-Stiftung beteiligt sich an den Druckkosten des zweiten Bandes der Schriftenreihe, erklärt Großbölting.

Ihr wichtigste Quelle waren die Unterlagen des Heimatforschers Wilhelm Ritte, sagen Großbölting und Joosten. Seine Akten wurden später von Heinrich Hengefeld und Heinz Wolberg geordnet und dienten ihnen als Leitfaden. Das Titelbild wiederum gestaltete Heinz Hölker, der sich an einer alten Rekonstruktion des Klosters orientierte.

Auch für das Kloster Marienvrede begann 1806 das Ende einer gut 360-jährigen Ära. Die Auflösung des Klosters wurde 1812 beendet. Der Niedergang des Kloster war auch sichtbar, denn das Kloster diente quasi als "Steinbruch". die Gaststätte Hoffmann wurde aus Steinen des Klosters erbaut, eine Wetterfahne steht noch heute auf dem Haus Hüning an der Weberstraße. "Alles wurde versteigert" sagt Bernhard Großbölting.

Deswegen sieht man auch heute nichts mehr von dem Kloster, das an der Loikumer Straße in der Nähe des Hauses Tichelofen lag. In der Nähe machte die Kleine Issel einen Bogen, das wird auch oft in den alten Dokumenten erwähnt. Viele heutige Straßennamen wie Marienvreder Straße oder Mönchsweg weisen aber auf die Existenz des Klosters hin.

Bekannt waren die Kreuzbrüder des Klosters für ihre Schreibstube und die Buchbinderei. Einige große Werke kamen aus ihren Federn. So schrieb zum Beispiel der gebürtige Dingdener Mönch Gerhardus Messing die "Isidor-Handschrift". Auch eine vierbändige Bibel wurde dort verfasst. In dem niederländischen Sitz der Kreuzherren werden heute noch alte Bände aufbewahrt.

 

BBV vom 8. März 2003