Band 5: Wehret den Anfangen - Dingden 1933 bis 1945

Für Bernhard Großbölting war es ein "persönliches Anliegen", dieses Buch zu schreiben. Der pensionierte Geschichtslehrer kann sich noch gut an seine Schulzeit erinnern und an seinen Geschichtslehrer. Der war im Widerstand gewesen und hatte das Thema des Nationalsozialismus im Unterricht behandelt, als es noch gar nicht auf den Lehrplänen stand. Auch Großbölting erinnert sich daran, dass in seinen Anfangsjahren als Lehrer das Thema im Lehrplan nicht vorkam. Behandelt hat er es trotzdem und stieß dabei immer auf großes Interesse. Heute würde sein Unterricht ganz anders aussehen. Denn erst, seit er sich im Heimatverein mit dem Thema beschäftigt, glaubt er auch die richtige Form gefunden zu haben, um die Zeit zu vermitteln. Und so beinhaltet "Wehret den Anfängen – Dingden 1933 bis 1945" die Berichte von 19 Zeitzeugen, die aus ihrer Sicht das Leben in der Diktatur schildern.

Ausgangspunkt war die Ausstellung, die der Heimatverein vor zwei Jahren organisierte. Auch da gab es eine große Resonanz, als einige der Zeitzeugen Schülern ihre Erlebnisse schilderten und mit ihnen diskutierten. Was im Lehrplan theoretisch rüberkommt, bekommt durch die persönlichen Erfahrungen ein Gesicht. Und so hofft Großbölting auch, dass besonders die Jugendlichen dieses Buch zur Hand nehmen.

Das Buch "Wehret den Anfängen – Dingden 1933 bis 1945" erscheint in einer Auflage von 250 Stück. Es ist der fünfte Band der Dingdener Schriftenreihe, die der Heimatverein herausgibt. 19 Zeitzeugen wie zum Beispiel Hermann Buers, Waltraud Terbille, Elisabeth Rieger oder Bernhard Volmering kommen auf 154 Seiten zu Wort. Dazu gibt es einige Fotos aus der Zeit. Der Text stammt von Bernhard Großbölting, die Gestaltung hat Sven Joosten übernommen. Das Buch wird am Kerzensonntag, 18. November, erstmals im Heimathaus für neun Euro verkauft. Anschließend ist es auch in der Buchhandlung Messing erhältlich. Neben den Zeitzeugen hat er auch die Chroniken der katholischen und der politischen Gemeinde zur Hand genommen. "Eine wahnsinnige Entwicklung" gab es in Dingden, stellt er fest. Bei der letzten Reichstagswahl am 5. März 1933 wählten in Dingden noch 80 Prozent das Zentrum. Die NSDAP gab es damals hier noch gar nicht. Am 12. November gab es dann eine Volksbefragung, bei der sich 96 Prozent der Dingdener für Hitler aussprachen.

Diese Entwicklung spiegelte sich auch in den Vereinen wider. "Als die NSDAP kam, ging es ganz schnell, dass die den ersten Schuss abgaben", sagt Großbölting und nimmt dabei Bezug auf die Ehrenschüsse bei den Schützenfesten, die bald den NSDAP-Mitgliedern vorbehalten waren. Gleichzeitig gab es auch Widerstände. Da war Kaplan Ludwig Haversath, der ganz offen als Gegner der Nazis auftrat. Großbölting nennt auch den Zentrumsmann Bernhard Schmitz. Der spätere Heimatforscher Wilhelm Ritte trat aus der SA aus, obwohl er sich der Folgen bewusst war. Häufiger war der persönliche Widerstand: Es gab Leute, die nicht in die Partei gingen, Leute, die jüdischen Mitbürgern halfen, Leute, die Mittel und Wege suchten, dem Wehrdienst zu entgehen.

Dem steht die Begeisterung gegenüber, die dem Regime auch in Dingden entgegengebracht wurde. Dem Ritterkreuzträger Johann Rieger wurde zum Beispiel noch 1944 ein begeisterter Empfang bereitet. Idealismus und Profitgier waren auch hier Gründe, die Diktatur zu unterstützen. Schuldzuweisungen will Großbölting dabei vermeiden. Ihm geht es erst um die Information und dann um das Verstehen.

 

BBV vom 7. November 2007