Band 8: Das Humberghaus

Der Weg zu diesem Buch war ebenso land wie der Weg zum Geschichtsort Humberghaus. Denn weil die Eröffnung sich immer wieder verschob, wurde auch das Buchprojekt hinausgezögert. Schließlich sollte es passend zur Museumseröffnung erscheinen. In zwei Wochen ist es nun so weit: Der Geschichtsort Humberghaus wird am 8. Juni feierlich eingeweiht. Und schon jetzt erscheint dazu das Buch "Das Humberghaus. Die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner" von Bernhard Großbölting.

Großbölting war prädestiniert für dieses Thema, weil er 2007 mit seinem buch "Wehret den Anfängen" über die NS-Zeit in Dingden quasi den Vorläufer lieferte. Aber sein neues Werk geht weit über diese Zeit hinaus. Sowohl in die Vergangenheit als auch in die Gegenwart reichen seine Betrachtungen. Er erzählt über den Ursprung dieses Hauses: Jakob Nienhaus baute es 1695, deswegen wurde es anfangs auch Jakobshaus genannt. Er erzählt von den ersten Juden in Dingden: Simon Cohen zog 1820 in dem Haus ein. Er erzählt von den vier Zweigen der Familie Plaat, die sich in Dingden niederließen. Und er erzählt von dem Beginn der Humbergschen Familie. Philip Plaats zweite Ehe blieb kinderlos. Deswegen nahmen er uns seine Frau das Mädchen Rosalia Landau bei sich auf. Sie heiratete am 17. Januar 1882 Abraham Humberg. Neun Kinder brachte sie zur Welt, davon starben allerdings zwei sehr früh.

Was in den Jahren der Recherchen für Großbölting und die anderen Mitstreiter im Heimatverein immer offensichtlicher wurde: "Die Humbergs waren gut eingebunden in das Leben im Dorf." So war Abraham Humberg zum Beispiel Mitbegründer der Molkerei und der Feuerwehr, dort war er auch Hornist. "Sie gehörten zu Dingden, sie waren integriert", sagt der Auto. Als Abraham Humberg kurz nach der Goldhochzeit 1932 starb, wurde ihm mit einem großen Leichenzug nach Bocholt das letzte Geleit gegeben, wo er auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt wurde. Das war fünf Jahre später schon anders, als Rosalia Humberg starb. In der Nazi-Zeit war solch ein Geleit undenkbar. Und so endet die jüdische Geschichte in Dingden auch in dieser Zeit von Flucht und Vertreibung, von Deportation und Tod. "Beispielhaft steht diese Familie für die sechs Millionen Juden, die in der schrecklichen Zeit der Nationalsozialisten umkamen", sagt Großbölting.

Großbölting schlägt aber auch den Bogen in die heutige Zeit und berichtet von der "Rückkehr" der Nachfahren der Humbergs. Susan Muscovitch, Sasha Terhoch und Coby Kwadijk-Breijer haben Dingden besucht. Für Großbölting ist das ein Akt der Versöhnung für das, was der Nationalsozialismus zerstört hat. Der Kreis schließt sich im Humberghaus.

Das Buch ist der achte Band in der Dingdener Schriftenreihe, die der Heimatverein herausgibt. Der Autor Bernhard Großbölting hat auch an fast allen anderen Bänden mitgearbeitet. Layout und digitale Bearbeitung hat Sven Joosten übernommen. 650 Exemplare hat der Verein drucken lassen, wobei die Druckkosten  Dorothe an Clewe, Geschäftsführerin von Validata und Benevit übernommen hat. Das Buch soll zwölf Euro kosten, das Geld soll für den weiteren Betrieb des Geschichtsortes verwendet werden. 50 Exemplare sollen als Arbeitsmaterial für Klassen im Humberghaus verwendet werden.

 

BBV vom 26. Mai 2012